Die Bühne dreht sich in Chemnitz

b_364_273_16777215_0___egm_content_Beitragsbilder_Nachrichtenartikel_2011_20110418-01.jpgDie Bühne dreht sich in Chemnitz und mit ihr auch Faust. Sein Kosmos ist eng, gleicht einem Käfig, einem Kerker. Ein riesiger Kubus auf der Bühne und keine weitere Ausstattung machen uns deutlich, wie gefangen die Akteure in sich selbst und im Zeitgeist sind. Gebannt starren wir auf die sich drehende Bühne, hören Deep Purples "Child in Time" und sehen Gretchen in ihrem Blut am Boden liegen. Eine moderne Fassung mit originalen Texten, Passagen, die wir aus dem Deutschunterricht der letzten Stunden kennen. Rasend schnell vergeht die Zeit, entwickelt sich die Geschichte um den verzweifelt suchenden Faust, das reine, naive, verführte Gretchen und den aalglatten Mephisto. Am Ende reihen wir uns ein in die Schar der begeistert Applaudierenden. Unsere Sympathie gilt besonders Mephisto, sein Spiel hat uns überzeugt. Aber auch Hut ab für Caroline Junghanns, die Gretchendarstellerin, die es wunderbar verstand, Gefühle der aufkeimenden Liebe, Sehnsucht, Verlangen, Angst, Verzweiflung und Wahnsinn zu spielen. Und wir haben nun erst recht Grund, weiter darüber zu diskutieren, wer und was Mephisto eigentlich verkörpert.

Auf der Heimfahrt sind wir insgeheim ganz froh darüber, dass Liebe heute einfacher ist und singen zwar nicht Deep Purple, aber dafür Die Ärzte.

Die Klasse 10ma im "Urfaust" des Chemnitzer Schauspielhauses am 18. April 2011