Besuch des IBUg-Festivals
Samstag, den 17. September 2011 um 13:27 Uhr
Seit 6 Jahren findet in Meerane das IBUg-Festival für Graffiti, Street-Art und Installations-Kunst statt. In diesem Jahr begaben sich die 9. und 10. Klasse am 2.9.11 und 3.9.11 in die Gartenstraße, um das Ergebnis zu begutachten. Die Schüler hatten den Auftrag, sich umfassend zu informieren, eventuell ihre Betrachtung auf bestimmte Kunstwerke zu richten, und hinterher einen Text über den IBUg-Besuch zu verfassen. Die 9. Klässler schrieben kurze Rezensionen (von denen einige sicher in der nächsten Ausgabe der Meeraner Zeitung zu finden sein werden, die am 23.9.11 erscheint), die 10. Klässler erstellten in Gruppenarbeit eine ganze Reportage über ihren IBUg-Besuch. An dieser Stelle sollen nun die entstandenen Texte veröffentlicht werden:
Annika, Noah, Lucas
IBUg-Reportage
Am 3. September 2011 besuchten drei Schulklassen des Europäischen Gymnasiums Meerane das IBUg-Festival. Seit 2006 werden jährlich große Industriebrachenareale von Urban-Art-Künstlern umgestaltet, die später zum Abriss freigegeben werden. In diesem Jahr fand dieses Kulturprojekt in der Kleinstadt Meerane im ehemaligen VEB Palla-Werk in der Gartenstraße 26 statt. Aber bevor wir das Gelände besichtigen konnten, musste eine Menge Vorarbeit geleistet werden: über 100 Künstler aus zehn Nationen ließen ab dem 29. August 2011 eine Woche lang ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf. Die Organisation wurde von Maxi Kretzschmar und dem Initiator Ta55o übernommen.
Auch von unserer Seite aus musste einiges vorbereitet werden: In mehreren Gruppen hat sich unsere Klasse über die Industriebrachenumgestaltung informiert und Interviews erstellt. So hat sich jede Gemeinschaft ihr eigenes Konzept entwickelt und auf konkrete Themen spezialisiert. Als diese Planungen abgeschlossen waren, konnten wir nun endlich auch den IBUg-PALLAst in Realität sehen.
Nun standen wir schon eine Weile vor den verschlossenen Türen der Industriehalle und warteten ungeduldig auf den um 15 Uhr stattfindenden Einlass. Als es endlich begann, wurden wir freundlich von zwei älteren Damen und Organisations-Chefin Maxi Kretzschmar begrüßt und zur Ansprache in die hauseigene Kneipe geführt. Unserer großen Gruppe aus insgesamt etwa 50 Schülern wurde von einer ehemaligen Angestellten mitgeteilt, was es mit den Palla-Werken auf sich hatte, von der Geschichte bis zu ihrem eigenen Arbeitsleben dort.
Anschließend konnten wir uns im Gebäude und auf dem Gelände umschauen. Nachdem wir schon einen langen Fußmarsch durch die neugestaltete Fabrikhalle zurückgelegt hatten und auf sehr viele interessante, zum Teil auch schwer definierbare Kunstwerke gestoßen waren, betraten wir einen Raum, der uns sehr angesprochen hat. Unsere Reportage Gruppe war beeindruckt von der zentralgelegenen Gefängniszelle in diesem Raum, in der sich ein Spiegelblock der gleichen Größe befand. Im Vorbeigehen schien es, als wären wir in diesem Gefängnis eingesperrt. Durch eine Lücke in der Decke des Raumes führten lange Pappröhren in eine andere Etage. Daraufhin gingen wir über das Treppenhaus im Obergeschoss. Schon beim Betreten des Kunstwerks hörten wir relaxte Musik und sagten erst einmal nichts. Wir entdeckten vorerst nur ein Gewirr aus denselben Pappröhren, Pflanzen und zerbrochenen Spanplatten. Beim Herausgehen bemerkten wir, dass dieses Chaos einen Schriftzug darstellte: Ta55o. Damit war unsere Besichtigungstour beendet.
Das diesjährige IBUg-Festival hat uns sehr beeindruckt und wir haben deutliche Verbesserungen zur IBUg des Jahres 2009 festgestellt. Wenn sich dieses Projekt weiter so entwickelt, wird es die Besucherzahlen irgendwann mal sprengen.

Johanna, Max, Dusty
Industrie & Kunst - Die IBUg 2011
Auch 2011 fand wieder das fast schon traditionelle Urban-Culture-Event, besser bekannt unter dem Namen IBUg (Industriebrachenumgestaltung), in Meerane statt. Die ist eine Ausstellung von verschiedenen Graffitis und Installationen, von Künstlern aus der ganzen Welt, in einer alten Fabrik. Für dieses Jahr wurden die ehemaligen Palla-Werke unter Beschuss genommen. Jemand, der noch nie auf der IBUg war, kann sie sich so vorstellen: Ein riesiges Industriegebäude, in jedem Raum andere Farben, Muster, Kunstwerke. Jeder Raum, jede Wand einzigartiger als die anderen.Kein Fleck wird grau gelassen, alles wird mit einbezogen, vom Lichtschalter bis zum, zum Fenster hereinragenden, Ast. Man findet Abstraktes, verzierte Schriften aber auch detailreiche Gemälde und Installationen.
2006 war das Geburtsjahr der IBUg. Die Idee für dieses Event kam vom bekannten Meeraner Graffiti-Künstler Ta55o, welcher heute nicht nur national, sondern auch international erfolgreich ist. Anfangs arbeiteten nur wenige Künstler an einer Industriebrache, bis immer mehr darauf aufmerksam wurden und die IBUg somit immer bekannter wurde. So hat sie sich heute zu einer beliebten Sehenswürdigkeit entwickelt und lockt nun jährlich jede Menge Besucher an. Graffitis sind eigentlich oft, besonders bei der älteren Bevölkerung, als "illegale Schmierereien" bekannt, doch die IBUg bringt wahre Kunstwerke bervor und zeigt eine ganz andere, schöne Seite der Graffiti-Kunst. Im Rahmen eines Deutsch-Projektes haben wir die IBUg zusammen mit unserer Klasse besucht. Dort ist jeder auf etwas anderes besonders eingegangen.
Wir konnten zum Beispiel ein interessantes und aufschlussreiches Interview mit Ta55o führen, einer der wichtigsten Personen der IBUg, und können nun berichten, mit welcher Sicht ein mitwirkender Künstler, also sozusagen hinter den Kulissen, dieses Event sieht. Wie schon gesagt ist er der Initiator der IBUg. Er hatte die Idee und hat sie auch umgesetzt. Er wohnte damals neben einer leer stehenden Fabrik und dachte sich: Warum so grau und langweilig lassen? Und so arbeitete er anfangs mit ungefähr 12 Künstlern daran, die alten, maroden Fabriken zu verschönern. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Irgendwann wurden es dann mehr Künstler udn die IBUg bekam ihren heutigen Namen und nahm langsam Gestalt an. Ta55o machte diese tolle Entwicklung auch an der guten Zusammenarbeit des Teams fest. Auch die Frage: "Gibt es nicht manchmal Stress unter den Künstlern, darüber wer welchen Raum nutzen kann?", beantwortete er ganz gelassen mit: "Hier heißt es wortwörtlich: Wer zuerst kommt, malt zuerst.". Auch mit der diesjährigen IBUg war der Meeraner mehr als zufrieden. Unsere letzte Frage an ihn war: "Denken Sie, dass die IBUg in den nächsten Jahren weiterhin soviel Erfolg hat?" "Na klar! Wenn sie weiter so gut läuft wie bis jetzt, auf jeden Fall! Nur noch größer und mit mehr Künstlern darf sie nicht werden, sonst gerät alles schnell außer Kontrolle!", meinte er.
Aber wie ist eigentlich die Meinung des Publikums zur IBUg? Wir haben auch einige Besucher befragt und das ist dabei herausgekommen:
Die meisten Leute, die wir befragt hatten, waren zum ersten Mal auf der IBUg. Ein älteres Ehepaar kam sogar extra aus Stuttgart, um sich die Ausstellung anzuschauen. Viele von ihnen wurden duch die Zeitung oder das Internet auf die IBUg aufmerksam. Das beweist, dass die Medein sehr gut präsent waren und berichtet haben. Was uns besonders beim Befragen der Leute auffiel war, dass ihnen die Kunstwerke gut gefielen, sie aber trotzdem kein großer Fan dieser Kunst waren. Die meisten Kunstobjekte waren für die Besucher zwar interessant, aber manchmal nicht anspruchsvoll genug. Über den Erfolg der IBUg in Meerane ist man sich im Ganzen einig. Wenn es noch weiterhin alte Fabriken in Meerane gibt und man auch immer genügend Künstler findet, müsste die Ausstellung weiterhin Erfolg in Meerane haben und gut besucht werden. Nur ein befragter Schüler war skeptisch: Er habe gelesen, dass es in Meerane keine alten Fabriken mehr geben wird, in denen man die IBUg veranstalten könnte. Es bleibt spannend.
Nun einmal zu einem Kunstwerk. Unserer Gruppe hat es ein Raum ganz besonders angetan, welcher auch zufällig von Ta55o mitgestaltet wurde. Dieser Raum wurde aufwendig mit sehr vielen Materialien gestaltet. Es war ein ziemlich großer Raum, in dem viele große und lange Papprollen wild durcheinander mit Kleber zusammengeklebt und teilweise an der Decke befestigt wurden, sodass diese Röhren ein großes Gestell bildeten. Die Röhren waren auch grün bemalt und teilweise mit Blättern verziert. Unser erster Gedanke war, dass dies einen Urwald oder so etwas Ähnliches darstellen sollte, weil dazu auch passende ruhige Musik eingespielt wurde. Im Vordergrund lag überall Stroh und Gestrüpp und darauf standen Würfel, welche im Inneren bunt beleuchtet waren. Viele kleine Pflanzen waren im Raum zu sehen und durch ein offenes Fenster ragten einige Äste herein. Diese wurden dann noch, passend zu den anderen Grünpflanzen im Raum, grün besprüht. Desweiteren wurde in der Mittes des Raumes ein kleiner Nebelbrunnen installiert. Dieser wurde mit kleinen Steinplatten umlegt und kleinere Pflanzen ergänzten das Ganze. An einer Wand war ein großer Mann aus Pappe zusammengesetzt. Dieser sollte den Künstler selbst (Ta55o) darstellen. Mit seinem linken Fuß stand "Ta55o" auf einer Spraydose, mit dem anderen auf einem kleinen Turm aus Münzen. Dieser besondere Raum wurde nicht nur von uns, sondern auch von anderen Besuchern, zu einem Highlight gewählt.
Der Dschungel in der Industriebrache. Bei soviel Lob stellt sich aber trotzdem die Frage: Was ist, wenn wirklich keine Flächen mehr in Meerane vorhanden sind? Wird die IBUg dann ganz aufgegeben? Es wäre zu schade. Aber sie ist nun mal Kunst auf Zeit und die Brachen können nicht noch einmal als Veranstaltungsort verwendet werden. Uns hat die IBUg aber beeindruckt und wir würden uns freuen, wenn sie nächstes Jahr wieder ihre Tore in Meerane öffnet, Egal wo sie nun letztendlich stattfinden wird. Wie können jedem empfehlen, dieses Event einmal zu besuchen und sich dann seine eigene Meinung dazu zu bilden. Tja, Industrie & Kunst, Gegensätze ziehen sich nun mal an. Bis nächstes Jahr zum Urban-Culture-Event - der IBUg!

Lisa, Pauline, Katharina, Ferdinand
IBUg
Empfangen wird man mit Graffiti, das sofort in die Augen sticht, Lachen, Stimmengewirr und dem leicht beißenden Geruch von Farbe. Das ist die IBUg 2011 in Meerane. Dem alten Palla-Gebäude, an dem man sonst einfach vorbei ging, wurde ein neuer ANstrich verpasst. 100 Künstler aus zehn verschiedenen Ländern verbrachten die letzte Augustwoche in der Gartenstraße in Meerane.
Von den grauen, teilweise eingestürzten Teilen der brachliegenden Industrie konnte man am vergangenen Wochenende nicht mehr allzuviel erkennen, da die Künstler mit ihren Spraydosen und den tristen Wänden spielten und dementsprechend ein verwahrlostes Gebäude in ein exotisches Abenteuerparadies verwandelten.
Entstehung der IBUg
Seit 2006 gibt es diese Art der Industriebrachenumgestaltung. Alles war eine Idee von Ta55o, einem bekannten Graffiti-Künstler aus der Umgebung. Er suchte nach einem legalen Platz zum Sprayen und was eignete sich da besser, als unbewohnte, alte Gebäude? Doch alleine wollte er es nicht machen. Er lud befreundete Sprayer ein und sie schufen mit Installationen, Maschinenteilen oder auch Kabesträngen, und natürlich mit ihren Spraydosen in den IFA-Hallen faszinierende Kunst - aber nur auf Zeit, bis zum Abriss der Hallen.
Die IBUg sollte diese Art von Kunst (Graffiti, Street-Art, Installationen - Urban-Art) dem breiten Publikum näher bringen und wurde tatsächlich gut aufgenommen, so gut, dass es in den folgenden Jahren in den VEB-Leuchtenhallen in der Poststraße, später in dem VEB-Palla-Textilwerk in der Oswaltstraße und dieses Jahr im Pallawerk in der Gartenstraße wiederholt wurde. Jedes Jahr hatte die IBUg viele Besucher und jedes Jahr zaubern die Künstler ein neues, tolles Gesamtkunstwerk. Auch im nächsten Jahr soll diese Veranstaltung in Meerane wieder stattfinden.
Fördermittel und Sponsoren der IBUg
Wie finanziert sich die IBUg eigentlich?
Die IBUg ist ein gemeinnütziges Projekt und als solches auf die Unterstützung durch Sponsoren und Fördermittel angewiesen. In den letzten Jahren wurde das Projekt von der Stadtverwaltung Meerane, den Stadtwerken Meerane, dem Hotel Schwanefeld, der Fleischerei, der Mopedgang und vielen anderen kräftig unterstützt. Doch 2011 standen keine Fördermittel zur Verfügung, dabei ist so ein Projekt auf Spenden angewiesen. Dieses Jahr bekam die IBUg also die Unterstützung von allen Mitwirkenden. Die Teammitglieder verzichteten auf Honorare und alle Künstler stifteten Werke, deren Verkaufserlös der IBUg zu Gute kam. So konnte auch ein weiteres Jahr das Projekt problemlos durchgeführt werden.
Ausgewählte Kunstwerke
Wenn man den Eingang betrat, fiel einem sofort ein Kunstwerk an der grauen Hauswand, rechts neben dem Eingang ins Auge. Aus dem Fenster fielen blaue Steine, die auf die Wand gesprüht wurden. Sie sahen sehr realistisch aus, es wurde mit 3D-, Hell/Dunkel-Effekten und Schattierungen gearbeitet. Das Kuriose an diesem Bild war die eingebrachte Installation unterhalb des Bildes. Der Künstler sprühte Pflaster- und Ziegelsteine mit den gleichen Blautönen an, wie die Steinen an der Wand, und legte sie davor auf den Boden. So hatte das Bild den Effekt, als ob auf einmal blaue Steine aus der Wand fielen. Die immer wieder verwendete blaue Farbe lässt einen Bezug zu Wasser herstellen, und das ganze Kunstwerk erinnerte an einen Wasserfall. Wenn man so über die Werke der IBUg nachdachte, konnte man fast alle auf eigene Weise interpretieren. Ein weiterer, sehr fantasievoll gestalteter Raum, zeigte sich in der zweiten Etage. Ein Künstler namens Zone 56 brachte ein sehr farbenfrohes Graffiti-Bild an die Wand und baute buntbesprühte Schienen ein, die das Kunstwerk noch lebhafter machten. Ebenfalls faszinierend war ein großer Raum der dritten Etage, der von dem bekannten Meerander Künstler Ta55o gestaltet wurde. Er verwandelte einen öden Industrieraum in ein Paradies, indem er Stroh auf dem Boden verstreute, dicke und große Papprollen an der Decke, den Wänden und auf dem Boden befestigte. Lichter sorgten für eine gemütliche Atmosphäre und der selbst, mit herausgeschlagenen Platten und Steinen, hergestellte Springbrunnen machte das Ambiente zu einer Wohlfühloase.
Unter den vielen Graffitis bleiben manche besonders stark in Erinnerung. So auch ein Kunstwerk, welches im Haupthaus in der zweiten Etage seinen Platz fand. Als erstes fiel einem ein großer Vogel an der Wand ins Auge. Was danach sofort ins Auge fiel, war der leere Käfig und der Spruch, der darunter stand: "Zahme Vögel singen von Freiheit, wilde Vögel fliegen." Wenn man den Käfig genau betrachtete sah man, dass eine Art Sprengstoff dort befestigt war. Die Zündkabel wurden über das Fenster bis zur nächsten Wand gemalt, bis zu einem Zündblock. Über ihm war ein großer, schwarzer Vogel. Er hatte rote Augen und seine Beine bestanden nur noch aus dem Skelett. An der Wand verteilt, waren lauter Totenkreuze gemalt und ein Schutthaufen lag in der Ecke des Raumes. In dem Raum herrschte eine etwas merkwürdige Stimmung, eher nachdenklich und düster, was vielleicht mit diesem Spruch zu vereinbaren ist.
Ein letztes besonderes Werk war in einem Raum im Haupthaus. In ihm stand ein Sprayer, natürlich gemalt, in beiden Händen Spraydosen. Aus diesen Dosen kam ein Urwald, ein Dschungel voller Farben und Formen, die sich über den ganzen Raum erstreckten. Dieser Raum zeigte gut, wie es in der IBUg wirklich war. Die Künstler können aus ihren Spraydosen einen ganzen Urwald mit all seiner Vielfalt hervorbringe und das ist ihnen in der IBUg 2011 wirklich gelungen.
Fazit
Unser Fazit ist, dass die Ausstellung sehr gelungen war. Die Organisation dieses Events war sicherlich nicht leicht, doch das Team der IBUg 2011 hat es geschafft. Großer Respekt gilt auch den Künstlern, die es innerhalb einer Woche geschafft haben, aus einer Industriebrache ein Kunstwerk zu erschaffen. Wir würden uns wünschen, dass der vordere Teil der Fabrik stehen bleibt und nicht den Abrissbaggern zum Opfer fällt, denn das Haupthaus könnte man zu einer Galerie oder einem Museum umfunktionieren. Wir hoffen, dass auch nächstes Jahr die IBUg in Meerane wieder auflebt.
Sa
IBUg-Festival 2011 und seine Kunstwerke
Die Industriebrachenumgestaltung war auch 2011 wieder ein voller Erfolg. Das Projekt läuft seit 2006 und fand dieses Jahr in der Gartenstraße 24 in Meerane auf dem Gelände des ehemaligen Palla-Werks statt. In der Kreativphase vom 26. August bis zum 1. September tobten sich dieses Jahr 150 Künstler aus 10 verschiedenen Nationen aus. Dabei verwandelten sie das ehemalige, inzwischen teilweise eingefallene Palla-Werk in ein buntes und lebendiges Gesamtkunstwerk und ließen es somit noch einmal richtig aufblühen.
Am Wochenende vom 2. bis zum 4. September öffneten sich dann auch die Türen für die vielen begeisterten Besucher. Alle Generationen waren vertreten, vom Jugendlichen bis zum Rentner. Die älteren Menschen interessierten sich vor allem für die Kunst in Verbindung zu ihrem ehemaligen Arbeitsplatz.
„Pädophile Willkommen“, der wohl schaurigste Raum, den die IBUg je gesehen hat. „Krass ... verrückt ... unheimlich“ - die ersten Eindrücke der Besucher sagten wohl alles, aber dennoch zu wenig, um es zu verstehen. Ein Raum voller Monster in schaurigen Szenen. Ich sah den Schriftzug „Welcome to my Heaven“, die Zahl des Teufels "666", die „heilige Schlampe“ und Kreuze. Es wirkte viel eher wie die Hölle, die den Himmel verspottet. Die Namen Gott und Jesus wurden teilweise von Kreaturen verschlungen oder ausgespien. Es war wie ein Kampf, den der Künstler in sich austrägt und in seiner Kunst verarbeitet. Vielleicht ist es seine Vergangenheit, die ihn so prägte. Insgesamt war es ein düsterer, schauriger und meist gemiedener Raum, der wohl nicht nur mich zum Nachdenken anregte.
Ein paar Treppenstufen höher kam ich dann in einen größeren Raum. Entlang des Gehwegs standen Säulen und dahinter lagen Berge von zerbrochenen Holzbrettern, Glasscherben, Steinen und anderem Müll. An den seitlichen Wänden befanden sich Fenster und zwischen diesen sah ich kleine gesprühte Phantasiefiguren. Meine volle Aufmerksamkeit richtete sich jedoch auf das Kunstwerk von Zone56 an der hinteren Wand. Es war eine Mischung aus Graffiti und Installation und bildete durch seine vielen Farben und Formen einen starken Kontrast zum Rest des eher fahl gehaltenen Raums. Das Bild unterteilte sich in zwei Wandmalereien und – was mir besonders ins Auge fiel – ein Modell aus bunten Plastik-Schienen, was das Gesamtwerk in den dreidimensionalen Bereich rückte. Die Übergänge von 2D auf 3D waren farblich passend und der schwarze Untergrund hob die zahlreichen Farben besonders hervor. Das Kunstwerk war mit seinen wild verschlungenen Wirbeln sehr phantasievoll, jedoch auch durcheinander und es erinnerte stark an die Wirkung von sinneserweiternden Drogen. In der linken unteren Ecke sah ich das Kürzel „Zone“, hinter welchem sich Künstler Markus Esche verbirgt.
Diesen schnappte ich mir dann einen Augenblick, um ihn zu sich und speziell zu seinem Kunstwerk zu befragen. Auf die Frage, weshalb er bei der IBUg teilnimmt, antwortete er: „Ich bin schon seit Anfang an mit dabei, gehöre zum Organisations-Team und bin auch selbst Sprüher.“ Was er mit seinen Bildern ausdrücken möchte, verschwieg er mir. Er ist der Meinung, dass die Betrachter sich eher selbst einen Kopf darüber machen und überlegen sollten, was dargestellt ist. „Also ich will da nur meine Kunst machen und nicht irgendwie jemandem ein Bild aufdrücken.“ Für sein IBUg-Kunstwerk benötigte Zone56 ein paar Tage. Bei anderen Bildern kommt es auf die Größe und die Details an. Nach dem Interview konzentrierte ich mich auf die Besucher und deren Reaktionen auf das Kunstwerk dieses Raumes. Die Menschen reagierten sehr positiv, teilweise begeistert auf das Werk von Markus Esche alias Zone56. Besonders gefiel ihnen das Zusammenspiel der verschiedenen Dimensionen. Auch die Farbgebung und Formen war für sie sehr überzeugend und schön anzusehen. Die Größe des Gesamtwerkes kam ebenfalls sehr gut an. Auf der gesamten IBUg war vor allem Buntes und Skurriles beliebt. Abstraktere Werke wurden sehr oft abgelehnt, da sich die Besucher darunter nicht so viel vorstellen konnten. Neben der Kunst gab es auch eine große Anzahl an zusätzlichen Veranstaltungen: ein Kurzfilmprogramm, Vorträge zum Thema Urban Art, Modenschauen und die traditionelle IBUg-Party am Samstagabend. Eine Bar mit Sitzgelegenheiten lud nach dem anstrengenden Treppensteigen zum Verschnaufen ein. Von da aus konnte ich den einsturzgefährdeten Teil des Geländes sehen, in welchem der „Krieg um die weiße Wand“ stattfand, in dem sich die Farben lila und gelb bekriegten. Auch dieses Jahr wurden wieder die Besucherrekorde der Vorjahre mit insgesamt etwa 3000 Besuchern geknackt. Laut Veranstalter kamen allein am Samstag um die 1300 Interessenten zur IBUg. Mit Spannung zu erwarten ist das Festival für urbane Kultur des nächsten Jahres, denn noch steht zur Frage, ob es wieder in Meerane stattfinden wird. Jedenfalls wird es nicht leicht werden, die diesjährige Veranstaltung zu überbieten. Wie man es in einer Fensterscheibe lesen konnte: „IF U ASK ME, IBUG 2011 REALLY WORKED OUT“

Tina, David, Phillip
Gedanken an den Besuch einer Kunstausstellung der etwas anderen Art in der Schlange beim Dönerladen
Ich stand beim Dönermann und wartete auf meine Bestellung. Gerade kam ich von der Aftershowparty der IBUg...
Vom zweiten bis zum vierten September fand in den alten Gemäuern des Pallawerkes, das 1970 geschlossen wurde, in der Gartenstraße die IBUg statt. Die sogenannte Industriebrachenumgestaltung ist eine Kunstausstellung, bei der ein altes, dem Verfall überlassenes Gebäude ein letztes Mal zum Leben erweckt wird, indem es mit Hilfe von Graffiti, Street-Art und Installationen, in ein buntes Gesamtkunstwerk verwandelt wird. Die erste IBUg fand 2006 statt. Das große Ziel ist es, die Kunst und Kultur zu fördern und Interesse für die neuen Kunstformen zu schaffen. Der Initiator dieser Veranstaltung ist Ta55o und gesponsert wurde das ganze von den Meeraner Stadtwerken.
Zahlreiche Besucher wurden zu diesem Kunstfestival gelockt und das ehemals leer stehende Haus war für ein paar Tage voll mit Menschen, die sich die in einer Woche erarbeitete Kunst und deren Urheber anschauen wollten. Es standen 100 Künstler aus 10 verschiedenen Ländern zur Verfügung. In den vielen Räumen der altenn Palla waren von den Sprayern ganz unterschiedliche Motive und Themen an die Wand oder ins Dreidimensionale gebracht worden. Ich war erstaunt über die Vielfalt der Kunstwerke - und die Botschaft, die hinter einigen davon zu stecken schien. Zum Beispiel war da ein großer Raum, in dem sich verschiedene Künstler ausgetobt hatten. An einer Wand war eine bizarre Gestalt angezeichnet worden. Eine Fantasiegestalt mit runden Augen und kariertem Rücken schaute einem entgegen. Darunter war der Titel: "Expressionen im Mathe-Unterricht" geschrieben. Außerdem standen daneben einige Fakten über das Versagen des deutschen Bildungssystems (z.B. das durchschnittliche Einstiegsalter für regelmäßigen Alkoholkonsum) und über den Köpfen der Betrachter drehten sich aufgehängte Sprüche wie "Sei still!" "Dreh dich um!" "Mach mit!" und so weiter. Dieses Kunstwerk beeindruckte nicht nur durch das zeichnerische Können, sondern auch wegen der offenen Kritik gegen das, in den Augen des Künstlers, unzulängliche Schul- und Bildungssystem unseres Landes. Solche Art von Kritik und Provokation begegnete einem oft, wenn man durch die Ausstellung ging.
Ein weiterer Raum wurde von Ta550 gestaltet. Er hatte aus riesigen Pappröhren seinen Namen modelliert. Es sah aus wie ein Dschungel - auch ein kleiner Springbrunnen war installiert. Zuerst wirkt es auf den Betrachter, als wären diese Röhren zusammenhangslos aneinander geklebt, erst wenn man den gesamten Raum von einem Bild aus betrachtet, fällt einem ins Auge, dass das ganze einen Namen darstellen soll. Ebenfalls interessant war die Installation der "Gebrüder Onkel", welche einen großen Spiegelquader mit Gitterstäben darum, errichtet hatten. Auf dem Boden war ein Schriftzug, der nur im Spiegel zu lesen war: "Sind wir nicht alle irgendwo gefangen?". Natürlich gab es noch etliche andere bunte Räume, die mir gefallen hatten, doch die genannten waren mir am besten im Gedächtnis geblieben.
Ebenso wie die Kunst war auch das Publikum breit gefächert. Ich war sehr erstaunt, dass so viele ältere Menschen diese doch moderne Kunstausstellung besuchten. Doch ich kam zu der Erkenntnis, dass viele von ihnen frühere Angestellte in der Palla gewesen waren. Dieses ganze Geschehen wurde von einem Filmteam aufgenommen und soll zu seinem Dokumentarfilm gemacht werden. Das Team bestand aus Patrick Richter, Danilo Halle, Hendrik Hartrodt, Gregor Blüher und Lisa Müller. Die Dauer des Films soll 30 Minuten betragen.
Die IBUg war ein äußerst faszinierendes Erlebnis für mich. Und an der Anzahl der Besucher und deren staunenden Gesichtern konnte man erkennen: Die IBUg war ein voller Erfolg!
Jetzt habe ich Hunger - es wird höchste Zeit, dass ich aufhöre in Gedanken zu schwelgen und endlich anfange zu essen...sonst wird der Döner noch kalt! xD
Laura, Anna, Maurice, Lucas
"Es spielt keine Rolle, ob ich gerade in New York, Berlin oder Meerane bin ...", sagte der US-Street-Art-Künstler Tim Clorius.
Am Samstag, den 3.9.2011 besuchten wir die IBUg in der Gartenstraße in Meerane. Mit vielen Vorurteilen und ohne eine richtige Meinung gingen wir in die alten Palla-Hallen. Besonders überrascht waren wir darüber, dass viele Leute von außerhalb zum Beispiel aus Berlin und Leipzig den Weg nach Meerane gefunden haben.
Nach und nach besichtigen wir die einzelnen Räume, wo wir feststellen mussten, dass die Kunstwerke sehr unterschiedlich waren und sie uns mal mehr oder weniger begeisterten. Besonders hat uns das Kunstwerk "Pädophile willkommen" gefallen. Dies ist einer der Räume, welcher lange in Erinnerung bleibt. Der Raum ist in rot, schwarz und weiß gehalten. Ein Graffiti bestehend aus Monstern mit vielen großen Augen, spitzen Zähnen und Krallen. Nicht nur die Wände, auch Fenster und Türen sind übersäht mit Figuren und Sprüchen wie "666. Welcome to my heaven". Durch sich überlappende, teilweise gestrichelte Linien wirkt das Gesamtkunstwerk wie eine Zeichnung von Kinderhand. Eine Zeichnung, die aus Angst und Wut entstand. Der Raum gibt einem das Gefühl gefangen zu sein und beobachtet zu werden. Die vielen Monster scheinen auf den Betrachter zuzukommen und ihn zu erdrücken.
Unter den vielen unterschiedlichen Besuchern befanden sich unter anderem zwei Kamerateams. Unser Gruppenmitglied Lucas beschäftigte sich besonders mit ihnen. Das Ziel der Fotografen und Filmteams ist es, das Vergängliche festzuhalten. Das wurde sehr professionell betrieben. So drehte zum Beispiel der MDR einen Bericht für das Magazin "Sachsenspiegel". Auch wurde von einem anderen Filmteam Material für einen Werbe- und Dokumentarfilm gesammelt. Ich sprach mit Danilo Halle, ein Kultur- und Medienpädagogik-Student im 2. Semester: "Ich filme lieber zu lang als zu kurz. Solange, bis es mir gefällt. Doch die Auswahl beim Schnitt wird trotzdem schwer." Insgesamt haben sie zehn Tage gefilmt.
Ein anderes Mitglied unseres Teams beschäftigte sich mit Künstlern und deren Gedankengängen.
"Gut daran ist, dass sich viele Künstler hier treffen und ihre Umwelt zusammen gestalten, um auf etwas Einfluss zu nehmen. Nicht auf fremden Grundstücken heimlich zu sprayen, sondern unsere Umwelt gemeinsam und offen zu gestalten."
Dabei war es egal, ob Street-Art oder Graffiti, 2D, 3D oder alles zusammen. Ich war vorher noch nie auf einer derartigen Ausstellung, hatte daher keine Meinung und vorallem nicht die leiseste Vorstellung. Auch im Kunstunterricht sind wir noch lange nicht bei der jetzigen Kunstepoche angekommen, daher konnte auf vorhandenes Wissen nicht zurückgegriffen werden. Von der Mannigfaltigkeit der exotischen und teilweise gewöhnungsbedürftigen Raumgestaltung war ich überwältigt. Wie hatten es Menschen geschafft, diese marode und altertümliche Fabrik so umzukrempeln? Man konnte es kaum fassen. In jedem Detail, wie Lichtschalter, Stromkästen, Schranktüren und sogar auf einigen Fensterbänken, lebten sie ihre Kunst aus. Völlig schwarze Räume, die mit Lichteffekten spielten, riesige Wandmalereien und jede Menge fantastische, moderne Bilder waren zu finden. Im 3. Stock sprang mir eine Schildkröte, gefühlte drei Meter groß und eine Megastadt auf dem Rücken tragend, ins Auge. Dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt waren, erkannte man sofort. Sogar der Schule war ein Raum gewidmet. Allerdings waren dort viele negative Zeitungsartikel, über Probleme in und mit der Schule, eingebracht. Die Werke handelten von der Einschränkung der Schule in Sachen Freiheit. Bilder wie "Expressionen im Mathe-Unterricht", eine von Langeweile und Zeichenliebe handelnde, abstrakt gestaltete Malerei, oder von Kopfschmerzen in der Unterrichtszeit erzählende Zeichnungen, fielen schnell auf.
Es lohnt sich wirklich, Zeit in den Besuch zu investieren. Im kommenden Jahr werde ich in jedem Fall wieder Gast der IBUg sein, denn ich weiß, dass die paar Euro Eintritt gut angelegt sind. Alles in allem war die Veranstaltung gelungen. Meiner Meinung nach daher, dass sich die Künstler offen präsentieren, am Boden bleiben, ihre Fantasie grandios umsetzen, sich für Besucher als Ansprechpartner nicht zu schade sind und vor allem, weil die Gedanken aus so vielen Köpfen in das Gebäude einfließen.
Kunst ist eben nicht grundlos eine Tochter der Freiheit.
Nelly, Julius, Maximilian, Tobias
Die IBUg - Ein Festival für Urbane Kultur im Westen Sachsen
Seit nun mehr sechs Jahren finden sich kreative Köpfe aus aller Welt einmal im Jahr zu Industriebrachenumgestaltung, kurz IBUg, in Meerane ein. Auch in der sechsten Auflage dieses Events für urbane Kultur, wurde alten Betrieben wieder zu neuem Glanz verholfen. Street Art, Graffiti und Installationskünstler formen aus brachliegenden Firmengeländen ein riesiges Gesamtkunstwerk, welches für die Öffentlichkeit zugängig ist.
Das ehemalige Palla-Werk in der Gartenstraße diente dieses Jahr als Veranstaltungsort. Früher wurden hier unter anderem Mäntel genäht. Als man das Werk nach der Wende schloss, überließ man es dem Verfall.
Das 2005 auf Initiative des Meeraner Graffiti Künstlers Ta550 gestartete Projekt hat sich zu einem Highlight der Urban Art Szene entwickelt und erfreut sich zudem immer größerer Besucherzahlen. Die Organisatoren verfolgen mit der IBUg im Wesentlichen drei Ziele: die künstlerische Gestaltung der alten Industrieanlage, die Schaffung eines kulturellen Bildungsangebotes für Jedermann und die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Zusammenhänge von Kunst, Kultur, Architektur, Industriegeschichte und Bildung.
Auf fünf Etagen in zwei Gebäuden konnten Künstler und Laien ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Jeder Raum, jede Halle, jeder Gang, jedes Treppenhaus wurde gestaltet. In jeder Ecke des historischen Gebäudes gab es etwas zu bestaunen - In einer fast zerfallenen Halle im Erdgeschoss tobte der "Kampf um die freie Fläche", in dem sich zwei Künstlerteams begegneten. Eine derart große Zahl an Mitwirkenden für dieses Kunstwerk brachte natürlich auch eine entsprechend hohe Vielfalt: Jeder Raum konnte durch seine individuelle Gestaltung begeistern. Doch auch größere Räume, die mit Werken von mehreren Künstlern versehen wurden, harmonierten in einer einzigartigen Art und Weise.
Unter den Zahlreichen bunt gestalteten Räumen der IBUg findet man auch ein sehr obszönes Zimmer: Wenn man es betritt, fällt einem das Schild auf der Türschwelle mit der Aufschrift "Pädophile Willkommen" auf, in der Mitte liegt ein großes Kreuz. An den Wänden sind schwarze perverse Figuren. Auf dem Fenster sieht man "666 - Welcome to my heaven", die Bilder blutunterlaufen... - ein schaudernd machendes Erlebnis. Was hat dieser Künstler erlebt? Immer fallen Worte wie "die heilige Schlampe" und "Jesu Christo" auf. Das lässt darauf schließen, dass der Künstler sehr gläubig war. Nach Gesprächen erfuhren wir, dass er aus Spanien kommt - ein streng christliches Land. An einer Seite sieht man die Schrift "We love the papa". Wurde er vielleicht von seinem Vater missbraucht oder vergewaltigt? Oder ist damit unser aller Vater, Gott, gemeint? Vielleicht will er auch nur warnen oder hat selbst psychische Probleme und vergewaltigte jemanden. All diese Fragen bleiben ungelöst, wenn man die "Reality Door" wieder durchschritt.
Die Palla-Werke wurden nach dem zweiten Weltkrieg aus verschiedenen Weberreibetrieben zusammengeschlossen. Nach der Entstehung der DDR wurde der Betrieb enteignet und zu einem volkseigenem Betrieb gemacht. Es gab über 20 verschiedene Berufe in der Textilherstellung und deren Weiterverarbeitung. 1970 wurden die Palla-Werke von Glauchau und Meerane zu dem Kombinat "Textilwerke Palla" zusammengefasst und hatten ca. 4500 Mitarbeiter. Vor allem wurden Kammgarne für Frauen hergestellt. Diese waren seit den 1860er Jahren als die "Meerander Schotten" weltweit bekannt. Nach der Wende ging der Betrieb in private Hand, wanderte ab und hinterließ diese Industrieanlagen.
Christl Milde arbeitete ganze 15 Jahre bei Palla. Sie sprach von guten Kollegen und Kollektiv. Sie wurde für ihre gute Arbeit ausgezeichnet. Frau Milde war im Büro angestellt und betreute die anderen Mitarbeiter. Sie stellte Krankenscheine aus und machte die Lohnzahlungen. Vor der Wende hatte Christl noch Kontakt zu ihren alten Arbeitskollegen. Dieser Kontakt ging danach allerdings verloren. Milde beschreibt: "Es war eine schöne Zeit dort zu arbeiten. Ich bekam regelmäßig Lohn und manchmal auch Prämien. Die soziale Betreuung war auch sehr gut." Nachdem die Palla-Werke schlossen, ging Christl in den Vorruhestand.

Emma, Florian, Hendrik, Sven
In jeder Etage, in jedem Raum, hinter jeder Tür, Wand, Klappe wartet etwas total verrückt Buntes, Skurriles oder etwas, das nachdenklich macht
Die Rede ist von der IBUg, die dieses Jahr vom 2.-4. September in Meerane stattfand. Die Abkürzung IBUg steht für Industriebrachenumgestaltung und ist ein jährliches Ereignis, bei dem sich Künstler, vor allem Spezialisten für Graffiti und Street-Art, treffen und alte Industrieanlagen gestalten. Die IBUg ist eine sehr junge Veranstaltung. Erstmals wurde sie 2006 ausgetragen, wer die Idee hatte und wie sie sich weiterentwickelte, dazu später mehr. 2011 fand sie jedenfalls in der ehemaligen Fabrik der Palla-Werke in der Gartenstraße 24 in Meerane statt. Das Gebäude wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, nach dem Ende des 2. Weltkrieges und der Gründung der DDR siedelte sich im Gebäude das Unternehmen "Palla" als Zusammenschluss mehrerer bestehender Textilbetriebe der Region Meerane an. 1970 folgte dann ein weiterer Zusammenschluss der Betriebe aus Meerane und Glauchau. Das Ende des Betriebes markierte das Jahr 1995: Das Unternehmen wurde privatisiert, wanderte aus und hinterließ eine Industriebrache. Und nun, 16 Jahre später, wurde die Brache Spielplatz von Künstlern aus der ganzen Welt. Doch wie entstand die IBUg, wie lief sie dieses Jahr ab, wer organisierte sie und wie? Ja und vor allem, was denken die Künstler und Besucher über das Event, welche Kunstformen gab es zu sehen? Viele Fragen und alle werden wir in unserer Reportage beantworten. Beginnen wir also mit der Geschichte der IBUg.
2006 hatte ein großartiger Künstler aus Meerane die Idee, aus alten Industriebrachen etwas ganz Besonderes zu machen. Dieser Künstler hieß Tasso und schreibt sich selbst so: "Ta550". Er wollte mit der Veranstaltung eine Art Symposium organisieren, zu dem Künstler aus der ganzen Welt kommen, ihre Ideen präsentieren und andere damit begeistern. So versuchte er, den alten Industriebrachen für kurze Zeit neues Leben einzuhauchen, bevor sie später abgerissen wurden. So nannte Ta55o die Veranstaltung IBUg. Als er die IBUg 2006 das erste Mal veranstaltete, kamen nur wenige Künstler und auch die Besucherzahlen ließen zu wünschen übrig. Doch mit jedem Jahr kamen mehr Besucher und Künstler. 2011 fand die Industriebrachenumgestaltung dann das sechste Mal in Meerane statt und war, wie das Jahr zuvor, ein Erfolg. Die Brachen zuvor waren: 2007 die IFA Hallen Meerane, 2008 die ehemalige Trabantanlage, 2009 der VEB Leuchtenbau Meerane und 2010 das Textilwerk. Übrigens stehen die Austragungsorte 2006-2009 heute nicht mehr. Da Ta550 und seine Kollegen ihre Ideen legal umsetzten, bekamen sie von Beginn an Unterstützung von der Stadt Meerane, was die Veranstaltung überhaupt erst möglich machte.
So viel also zur Geschichte der IBUg. Zurück in die Gegenwart, zur IBUg 2011 in dem ehemaligen Palla-Werk. Wie schon in den vergangenen Jahren folgte die Veranstaltung einem Zeitplan, den wir natürlich vorstellen wollen:
Die Arbeiten der Künstler begannen am Freitag den 26.8., manche arbeiteten auch erst am Samstag oder Montag erstmals. Die IBUg-Kneipe, die schon seit den letzten Austragungen zur Veranstaltung gehörte, wurde am Freitag eröffnet und konnte jeden Abend ab 18 Uhr besucht werden. Besucher konnten die Künstler oder Organisatoren treffen und befragen, es liefen Filme und Spiele standen bereit. Die Kneipe wurde am Mittwoch, den 31.8. geschlossen. Nach einem weiteren Arbeitstag am Donnerstag wurde die IBUg am Freitag den 2.9.11 eröffnet, Einlass war um 15 Uhr. Um 18 Uhr konnten die Gäste einen Kurzfilm anschauen, in dem eine kleine Einführung in Street-Art, Graffiti und Installationskunst gezeigt wurde. Um 20 Uhr wurde die IBUg dann geschlossen. Am Samstag öffnete die IBUg schon um 10 Uhr ihre Tore und an diesem Tag hatte sie sehr viele Highlights zu bieten. Schon mittags, genau um 12 Uhr, wurde der Kurzfilm, der schon am Tag zuvor gezeigt worden war, abgespielt. Zwei Stunden später hielt der Künstler Jens Besser einen Vortrag über seine Werke und Wandmalerei, eine weitere Stunde später berichtete Matze Jung über seine Erfahrungen in Rio de Janeiro - vor allem was Graffiti angeht. Um 16 Uhr folgte ein eine Modenschau, nach einem weiteren Kurzfilm wurde die Veranstaltung um 20 Uhr geschlossen. Doch wer immer noch nicht genug hatte, hatte von 22 Uhr an die die Möglichkeit, die IBUg-Party zu besuchen. Am letzten Tag des Events standen sowohl die Modenschau als auch ein weiterer Kurzfilm auf dem Programm, doch auch ein Vortrag des Diplom-Ingenieurs Daniel Schnier über die Wiederbenutzung alter Industrieanlagen sowie die Auslosung der Spendenaktion und der Tombola sorgten für Unterhaltung. Schließlich wurde die IBUg 2011 um etwa 20 Uhr durch einen Zapfenstreich beendet.
Wir besuchten die Veranstaltung gleich am ersten Tag. Die Stimmung war sehr gelöst, die Künstler waren offen und gesprächsbereit. An eine "normale" Ausstellung wir im Museum erinnerte die Atmosphäre nicht. Die Besucher tauschten sich, teilweise auch lautstärker, aus, viele waren in Gespräche berwickelt - in einem Museum eigentlich undenkbar. Es war eher eine "moderne" Ausstellung. Auf unsere Nachfrage antwortete eine etwa 40-jährige Frau: "Ja, wie im Museum ist das hier nicht. Überall wird sich unterhalten, auch ziemlich laut. Ich genieße die Werke zwar lieber im Stillen, aber das ist trotzdem eine interessante, neue Erfahrung." Aber nicht nur die Atmosphäre war speziell, auch die Kunstwerke waren außergewöhnlich. So zum Beispiel eine Installation des Meeraner Künstlers Ta55o, die sich sogar über zwei Etagen erstreckte. Ta550 benutzte Papprollen, um große (ca. 10x10m) große geradlinige Figuren zu errichten. Die unteren Papprollen wurden durch ein Loch in der Decke mit den oberen verbunden, während auf der unteren Ebene vor allem die Figur betrachtet werden sollte, entstand weiter oben eine wahre Wohlfühloase. Es lief Musik, einzelne Pflanzen wurden in den Raum gestellt, Rasen wurde verlegt, auch Würfel, die leuchteten, sorgten für ein entspannendes GEfühl. Des weiteren sah man Papplatten und als Highlight einen kleinen Springbrunnen - dieser Raum gefiel uns mit Abstand am besten, wir hätten uns am liebsten hingelegt. Aber auch andere Kunstwerke sorgten bei den Besuchern für Begeisterung. So zum Beispiel das große, graue Gesicht auf der Vorderseite ders IBUg-Gebäudes: Ein riesiger Kopf, etwa 5x20m groß, mit einer Inschrift sorgte bei allen Gästen für einen ersten Eindruck. Insbesondere die Herstellung des Graffiti, das sich ja in großer Höhe bebefand und von mehreren Künstlern bearbeitet wurde, stellte viele vor Rätsel. Diese Gelegenheit möchten wir nutzen und Ihnen einige Informationen über Graffiti zu geben. Ganz allgemein sind Graffitis aufgebrachte oder aufgekratzte Namenskürzel, Bildfragmente oder Bilder auf jeglichen Untergründen. Im Normalfall arbeiten Künstler dabei mit Spraydosen. Das Wort Graffiti leitet sich vom griechischen "graphein" ab, was so viel wie 'schreiben' bedeutet. Schon zu Zeiten der Ägypter oder im alten Rom entstanden eigentlich Graffitis, aber die moderne Form, also "sprayen", nahm ihren Anfang in den 1960er Jahren in New York. Damals besprühten die Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen Wände. So verbreitete sich diese Art der Kunst und wurde auch in Deutschland populär.
Nun aber zurück zur IBUg und ihren Kunstwerken. Vielen Gästen fielen sicherlich die Hühner auf. Ja, das ist auch Kunst. Zwei Hühner wurden in einem aufwendig gestalteten, etwa 2x2m großen Raum gehalten. Auf dem Boden lag eine Unterlage aus Stroh, an den Wänden klebten Eier. Viele Gäste schauten verdutzt, doch auch das war ein Kunstwerk. Ein weiteres, nicht so auffälliges Werk ware eine schwarze Modellstadt. Sie war etwa 3x3m groß, alle Gebäude waren schwarz bemalt und mit Sand beschüttet. Im Außenbereich der IBUg konnte eine weitere Attraktion besichtigt werden: Dort war eine Schaukel angebracht, die durch Feuerwehrschläuche getragen wurde. Das Werk blieb vielen in Erinnerung, weil man eben nicht nur betrachtete, sondern auch selber aktiv werden konnte, da Wippen mit der Schaukel möglich war. Die Schaukel war ein gutes Beispiel für eine oft vorkommende Kunstform auf der IBUg: Installationskunst. Wie es der Name schon sagt, wird dabei etwas installiert, hinzugefügt. An einfache Gegenstände werden neue Dinge angebracht, sodass ein neues Werk entsteht. Ein weiteres gutes Beispiel hierfür ist Ta55os Installation, die ich schon beschrieben haben. Ein anderes Wort fiel im Umfeld der IBUg ebenfalls oft: Street-Art. Street-Art ist, wie es der Name schon sagt, die Umhestaltung von Objekten, die man auf der Straße oder an anderer Stelle in der Natur findet. Diese Gegenstände werden bearbeitet, oft kommt es deshalb, falls mit Spraydosen gezeichnet wird, zu Problemen bei der Unterscheidung zwischen Street-Art und Graffiti. Jetzt sind Sie sicherlich gut informiert über moderne Kunstformen. Und wenn Sie diese Kunstformen einmal in Natur ansehen wollen, dann sollten Sie nächstes Jahr auf die IBUg, denn für dieses ist es zu spät. Übrigens haben dieses Jahr über 100 Künstler mitgearbeitet, es entstanden schätzungsweise 200 Werke, die man natürlich nicht alles aufzählen kann, alle waren einzigartig und sehenswert. Eine letzte besondere Attraktion, die wir noch mit in die Reportage aufnehmen möchten, war eine Kombination aus Graffiti und Installationskunst des Künstlers: Auf einer schätzungsweise 20x5m hohen Wand erstreckte sich ein buntes, mit vielen Schlängeln gestaltetes Graffiti. Schon beim Eintreten in den Raum, bekamen wir die Augen nicht mehr davon weg. Vor der Mauer wurde außerdem eine Art Vogel mit Papp- und Papierstreifen errichet - er war natürlich auch kunterbunt. Das Ganze war ein wahrer Blickfang, vor allem aus größerer Distanz entstand eine beachtliche Wirkung des "Vogels" in Kombination mit der Wand.
Doch wer macht es möglich, dass so viele Künstler, in einer eigentlich verlassenen, teilweise einsturzgefährdeten Industriebrache arbeiten? Eine dieser Personen ist Maxi Kretzschmar. Und wir hatten die Gelegenheit, mit ihr zu sprechen, und sie über einiges auszufragen.
Frau Kretzschmar ist nicht seit Anfang an (2006), sondern seit 2009 mit dabei. Vorher kannte sie das Festival noch nicht, aber als sie es dann kennenlernte, war sie sofort von der Idee des Projekts begeistert. Was hat sich seitdem verändert? Auf diese Frage antwortete die Organisatorin, dass die Besucher- und Teilnehmerzahlen gestiegen wären und dass sich am Anfang Künstler beschwert hätten, es gäbe zuviel Graffiti. Das wäre dieses Mal gut gelöst worden. Und das stimmt auch: Neben 2D-Kunst schmückte ebenfalls 3D-Kunst der unterschiedlichsten Art. Das Interesse im Ausland wuchs von Jahr zu Jahr und damit auch die Internationalität der Teilnehmer. Dieses Jahr nahmen Deutschland, die Schweiz, Schweden, Österreich, Großbritannien, Italien, die USA, Spanien, Frankreich und die Niederlande teil. Natürlich stellte sich die Frage, welche Unterstützung die IBUg bekam/bekommt, um jährlich so ein tolles und großes Projekt auf die Beine zu stellen. Maxi Kretzschmar berichtete, dass sie sehr viel Unterstützung von der Stadt Meerane bekamen und bekommen. Beispielsweise übernahm sie die gesamten Stromkosten in der Zeit des Festivals in der Palla. Weitere Sponsoren sind zum Beispiel "Campus of Urban Culture", "StartNext" und "Stadtwerke Meerane". Durch den Spendenaufruf wurde dem Projekt zusätzlich Geld gespendet. Außerdem bekam das Team verschiedenste Hilfe von Leuten, die, mit Sofas oder kleinen Stärkungen, das leibliche Wohl des Teams unterstützten.
Warum findet die IBUg immer wieder in einer Kleinstadt wie Meerane statt? Die Organisatorin verriet uns, wie schon einmal dargelegt, dass alles mit Ta55o anfing. Er ist Meeraner und der Initiator der Veranstaltung. In Meerane gab es zahlreiche brachliegende Industrie-Gebäude und Fabriken. Somit fand er weitere Flächen für legales Graffiti. Dafür bekam Ta55o die Erlaubnis vom Bürgermeister. Der Künstler holte seine befreundeten Sprayer dazu und da es immer noch einige Industriebrachen in Meerane gibt, wird es auch weiterhin stattfinden. Wie wurde es eigentlich organisiert, dass man die Genehmigung für das Betreten des Gebäudes bekommen hat? Ist denn nichts einsturzgefährdet? Die Kontroll und Genehmigung machte die Stadt Meerane durch Herrn Pietsch. Es wurde versichert, das Gebäude sei stabil und betretbar. Frau Kretzschmar erklärte, früher hätte es A-, B- und C-Bereiche gegeben (Bereiche die niemand, nur die Künstler oder alle betreten durften). Dieses Jahr gäbe es nur zwei Bereiche, die entweder für alle oder gar keinen erlaubt wären.
Natürlich haben wir uns auch das Filmprogramm angeschaut. Die ersten Kurzflime handelten über die IBUg selbst udn waren sehr ansprechend, durch viele Spezialeffekte gestaltet, aber mit der Zeit wurde das Kurzfilmprogramm langweilig. Beispielsweise als ein Projekt gezeigt wurde, bei dem Aufkleber mit Sprüchen gedruckt und auf Geldscheine und in Fußgängerzonen geklebt wurden. Durch eine detaillierte Darstellung des Projekts und dadurch, dass die Sprüche nicht übersetzt waren, wurde der Film schnell monoton.
Ein Highlight war die fantastische Sicht auf das Gelände und die Stadt, als wir auf einer Art kleiner Aussichtsplattform auf dem Palla-Dach standen. Von da aus konnten wir eine Handvoll Künstler auf den Dächern der alten Industrie-Brache noch ihre letzten Kunstwerke vollenden sehen. Dies ist eine Besonderheit an der Industriebrachenumgestaltung: Bei gewöhnlichen Kunstausstellungen müssen alle Werke fertig da stehen. Nicht so auf diesem Festival. Hier wird ebensoviel Wert darauf gelegt, dass man sieht, wie Graffiti oder Installationen entstehen.
Zu einer guten Reportage gehört es aber auch, Besucher, und in unserem Fall: einige Künstler, über die Veranstaltung zu befragen.
Als wir auf der Suche nach Künstlern einen ersten trafen, fragten wir ihn erst einmal, wie alt er sei. Er war 25 Jahre alt, etwa 1,80m groß und erzählte uns, dass sich seine Kunstart "Afro-Kitsch" nannte. Als nächstes erfuhren wir von ihm, dass er schon seit sieben Jahren Künstler ist und in diesem Jahr zum ersten Mal die IBUg besuchte. Er äußerte zwar, dass er keinen Kontakt zu anderen Künstlern hätte, aber angereist war er in einer Gruppe. Eine interessante Antwort bekamen wir auf die Frage, wie oft er künstlerisch aktiv sei. Der Künstler entegegnete: "Offiziell eher selten, aber inoffiziell schon öfter." Zum Schluss war uns natürlich noch wichtig zu erfahren, wie ihm die IBUg gefällt. Er antwortete mit einem Lächeln: "Sehr gut", anschließend wandte er sich wieder sienem Werk zu, das er schon während des gesamten Gesprächs bearbeitete. Doch natürlich war es uns wichtig, ene weitere Meinung zu erfahren. Aus diesem Grund führten wir ein Gespräch mit einem anderen Künstler, der als Sprayer arbeitete. Der Mann wollte seinen Namen nicht nennen, doch er sagte, dass er seit seinem 18. Lebensjahr sprayt und nun schon das dritte Mal die IBUg besucht. Er verriet uns außerdem, dass er zwei Mal im Monat illegal arbeitet, wie oft er öffentliche Veranstaltungen besucht, wollte er nicht äußern. Schließlich erzählte er noch, dass ihm die Veranstaltung bisher sehr gut gefallen hat und sie in diesem Jahr besser ist als je zuvor. Des weiteren war es natürlich unsere Pflicht, zu erfahren, was die Gäste der IBUg über das Event denken. Schon nach wenigen Minuten trafen wir eine Frau namens Ulrike M., sie ist 35 jahre alt und wohnt in Zwickau. Die etwa 1,70m große Frau besuchte die IBUg das zweite Mal und sagte uns, dass es dieses Jahr viel besser sei als letztes Mal. Sie war sich auch sicher, dass sie die IBUg auch nächstes Jahr besuchen wird. Unser zweiter Gesprächspartner hieß Tobias V., er ist 24 Jahre alt und wohnt in Meerane. Er besuchte die IBUg das erste Mal und wurde durch einen Freund auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Dem jungen Mann gefielen die vielzähligen "tollen" Werke, außerdem empfand er die Künstler als wirklich nett und sympathisch. Negativ fiel Herrn V. auf, dass die Ausstellung nicht gut strukturiert war und er sich oft verlief. Auf die Frage nach einem möglichen Wiederkommen antwortete er: "Mal sehen, ob ich Zeit finde."
Alles in allem sind wir der Meinung, dass die IBUg 2011 eine wirklich gelungene Veranstaltung war. Eine große Auswahl an Werken sorgte für Abwechslung, Kunstinteressierte sahen in der IBUg so oder so ein Highlight, aber eben auch Besucher, die sich sonst im Kunstunterricht langweilen bzw. langweilten, kamen oft ohne Erwartungen und gingen mit einem Lächeln im Gesicht. Auch viele von uns wussten anfangs nicht, was einen erwartet, doch die spezielle und vor allem moderne Kunst gefiel uns und wir bereuten es anschließend nicht im Geringsten, die Industriebrachenumgestaltung 2011 besucht zu haben. Die IBUg hat unserer Meinung nach großes Potential und kann sich noch zu einer größeren Marke entwickeln.
Bis nächstes Jahr zu IBUg 2012. Auf gar keinen Fall verpassen und unbedingt in den Terminkalender schreiben.