Die Synagoge Chemnitz
Mittwoch, den 01. Februar 2012 um 11:46 Uhr

Klasse 6 besucht Synagoge
Doch da wir zu früh waren führte uns eine Frau mit israelischer Nationalität durch eine Bilderausstellung, die zeigte, wie Künstler aus aller Welt sich Israel vorstellten. Die Führung war bestimmt sehr interessant, doch da die Frau schnell Deutsch sprach verstanden die meisten von uns nur wenig. Nach der Ausstellung kam eine ältere Frau jüdischen Glaubens und zeigte uns ca. vier Bilder mit einem Wagenrad. Außerdem zeigte sie uns ein Bild und ein Modell der alten Synagoge.
Eine Synagoge hat eine eigene Bücherei. Die wurde eingerichtet, weil die Juden sehr wissbegierig sind und viel lernen wollen. Die Bücherei sahen wir mit eigenen Augen. Aber es gibt auch Büros, Versammlungsräume, Unterrichtsräume und eine koschere Küche, die wir leider nicht sahen.
Dann gingen wir in die Synagoge, doch zuvor mussten die Jungen eine Kippa aufsetzen, damit ihre bösen Gedanken im Kopf blieben. Als wir in die Synagoge eintraten fiel uns zuerst ein riesiger Schrein auf, der Toraschrein. Im Toraschrein wird die Tora aufbewahrt und nur zum Sabbat geöffnet. Normalerweise ist es so, dass die Männer unten in den Sitzreihen sitzen und die Frauen oben in den Emporen. Doch in dieser Synagoge durften die Mädchen/Frauen auch unten sitzen. Allerdings mussten die Jungen links und die Mädchen rechts sitzen. Die Frau erzählte uns viel über das Judentum, vieles davon wussten einige von uns schon aus dem Religionsunterricht. Sie erzählte uns z. B., dass die Mädchen mit zwölf ihre Bat Mizwa machen, was Tochter der Pflicht bedeutet. Die Jungen machen mit 13 die Bar Mizwa, was Sohn der Pflicht bedeutet. Zu diesem Fest dürfen die Jungen das erste Mal aus der Tora vorlesen (aus der Tora dürfen nicht Mädchen/Frauen lesen). Außerdem hat sie uns den jüdischen Kalender erklärt, der viel kürzer als unserer ist. Jeder Monat hat nur 29,5 Tage. Dadurch haben die Juden aller drei Jahre einen Monat extra.
Die Frau erklärte uns auch, dass die neu geborenen Jungen acht Tage nach der Geburt beschnitten werden und einen jüdischen Namen erhalten.
Am Ende des Vortrages erzählte sie uns ihre eigene Geschichte. Sie ist als Jüdin geboren und erzählte, dass die Juden, als sie vier war, immer mehr von den Nazis ausgegrenzt wurden. Am Anfang durften sie nicht mehr mit Bahn und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln fahren oder in Geschäften einkaufen gehen. 1938, am 9. November, wurden sogar viele Synagogen abgebrannt. Und dann sind viele Juden geflüchtet, doch die, die kein Geld hatten mussten bleiben und sogar Davidssterne als Kennzeichen auf der Straße tragen. Doch später wurden fast alle in Konzentrationslager gebracht. Manche haben sich bei anderen Leuten versteckt. Wenn sie allerdings erwischt wurden, mussten auch die Leute, die gar keine Juden waren, in Konzentrationslager gehen. Die Familie von der Frau wurde auch getötet, nur sie hat überlebt. Und damit richtig Glück gehabt.
Am Ende zeigte sie uns sogar die Tora. Das war eine große Ehre, denn die wird sonst nur am Sabbat geöffnet. Wir bedankten uns bei der Frau und gingen dann zum Bahnhof um wieder mit der Bahn und einem völlig überfüllten Bus nach Meerane zu fahren. Und somit endete ein interessanter Tag.

Klasse 6 besucht Synagoge
Feststellung: Mir hat der Ausflug, bis auf den Umweg zur Synagoge hin und den überfüllten Bus bei der Rückfahrt, sehr gut gefallen. Denn ich habe zum ersten Mal die Tragik der Judenvernichtung, von einer damals lebenden Jüdin erzählt bekommen und habe gemerkt, wie schlimm das damals war. Außerdem fand ich es toll zu sehen, wie die Juden in die Synagoge gehen und welche Bräuche sie haben.